Zirkularitäts-Cluster · KPI-Handbuch

Vendor-Financing-Fragilität im Makro-Tracker · Datenstand 2026Q3 · erzeugt 28.08.2026 10:00
Inhalt
  1. 1. Zweck und Abgrenzung
  2. 2. Z1 · DSO-Abweichung
  3. 3. Z2 · OCF-Deckungsgrad
  4. 4. Z3 · Ausbaugeschwindigkeit
  5. 5. Z4 · Off-Balance-Quote
  6. 6. Z5 · Garantiegeber-Konzentration
  7. 7. Z6 · Kreditrisiko des Garantiegebers (Panel, WKN-Liste)
  8. 8. Z7 · Auftragsbestand – Fenster in den privaten Teil
  9. 9. Z8 · Private Beteiligungen
  10. 10. Composite
  11. 11. Zusammenspiel der Kennzahlen
  12. 12. Datenquellen und Fallstricke
  13. 13. Betrieb
  14. 14. Was beim Börsengang zu tun ist
  15. 15. Änderungsprotokoll 27.07.2026
  16. 16. Grenzen

1. Zweck und Abgrenzung

VIX, MOVE und Kreditspreads messen die Nervosität der Märkte. Vendor-Financing-Zirkularität können sie strukturell nicht sehen, weil dabei Risiko dorthin verlagert wird, wo diese Indikatoren nicht hinschauen: in Eventualverbindlichkeiten des Garantiegebers, in Private Credit, in Zweckgesellschaften und in Data-Center-ABS.

Der Befund vom 27.07.2026: Kreditspreads im 0. Perzentil (engste seit fünf Jahren), gleichzeitig Tech-Volatilität im 86. Perzentil. Das Risiko ist im Aktienkurs weniger Namen sichtbar, aber noch nicht im Kreditsystem.
Dieses Cluster löst keine Handelsregel aus. Quattro wird ausschließlich von R1–R7 gesteuert. Alle in der Backtest-Sitzung geprüften Makro-Gates verloren: Warten bei hohem Stress kostete 0,6–1,2 Prozentpunkte CAGR, kontrarisches Warten bis 20,6.

2. Z1 · DSO-Abweichung 4,5% · Skalenwert 0,09

DSO = Forderungen aus L&L / Quartalsumsatz × 91
Z1 (Firma) = DSO(aktuell) / Median(DSO der letzten 20 Quartale) − 1
Z1 (Cluster) = Median über alle Firmen
Skalenwert = Abweichung ÷ 50 %

Ökonomische Bedeutung

Days Sales Outstanding misst die Zeit zwischen Rechnung und Zahlungseingang. Finanziert ein Anbieter seine eigenen Kunden – über Beteiligungen, Zahlungsziele oder Garantien –, bucht er Umsatz, dem noch kein Geld gegenübersteht. Genau das zeigt eine steigende DSO. Sie ist der direkteste Bilanzausdruck von Zirkularität.

Gemessen wird gegen den eigenen Median, nicht gegen andere Firmen: Geschäftsmodelle haben strukturell verschiedene Zahlungsziele. Nur die Abweichung von der eigenen Norm ist aussagekräftig.

Schwellen

Abweichung vom rollenden MedianDeutung
unter +10 %Normal.
+10 bis +25 %Beobachten. Kann Wachstum in neue Kundensegmente sein.
+25 bis +40 %Erhöht. Prüfen, ob parallel Finanzierungszusagen kommuniziert wurden.
über +50 %Vollausschlag. SunEdison lag elf Monate vor der Insolvenz bei +49 %.

Zusätzlich zählt die Veränderung: Ein Sprung von 25 % im Jahresvergleich ist unabhängig vom Niveau ein Beobachtungsgrund. Die Firmentabelle unter der Karte führt beide Spalten und ist nach der Abweichung sortiert – wer oben steht, ist der erste Ort zum Nachsehen.

Aktuelle Werte je Firma

FirmaAbw. vs rollendem MedianΔ Jahr
AMZN+42,8 %+28,3 %
AVGO+36,8 %+31,6 %
MSFT+29,2 %-1,7 %
GOOGL+4,5 %+1,1 %
ORCL+0,6 %+0,6 %
NVDA-11,7 %-0,7 %
AMD-14,3 %-5,2 %
META-19,5 %-9,6 %

Historisches Beispiel: SunEdison 2015/16 (validiert)

SunEdison finanzierte Solarprojekte über eigene Yieldcos, die die Anlagen von SunEdison kauften – dieselbe Kreisstruktur wie heute zwischen Chipherstellern, Cloud-Anbietern und KI-Firmen. Mit dem hier implementierten Code aus SEC-Daten berechnet:

QuartalDSOPerzentil
Q3 201349,953 %
Q1 201452,053 %
Q3 201456,881 %
Q1 201581,7100 %
Q3 201585,6100 %

Der Sprung von rund 55 auf 82 Tage in Q1 2015 (veröffentlicht Mai 2015) brachte die Kennzahl auf das 100. Perzentil. Das Kurshoch folgte im Juli 2015, der Insolvenzantrag am 21.04.2016 – rund elf Monate nach dem Signal. Das ist die realistische Vorlaufgröße: Quartale, nicht Tage.

Lucent 1999–2001 (nicht maschinell validierbar)

Der klassische Fall: Lucent finanzierte die Telekom-Betreiber, die seine Technik kauften, mit Milliardenzusagen. Umsatz und Forderungen wuchsen schneller als die Zahlungseingänge, bis 2000 mehrere Gewinnwarnungen folgten. Die SEC-XBRL-Datenbank beginnt erst 2009 – Lucent ging 2006 in Alcatel-Lucent auf. Der Fall bleibt deshalb narrativ; SunEdison dient als nachrechenbarer Ersatz.

3. Z2 · OCF-Deckungsgrad 47,5% · 0. Perzentil

Z2 = Summe operativer Cashflow (4 Quartale) / Summe Umsatz (4 Quartale)
Fragilitäts-Perzentil = 1 − Perzentilrang (NIEDRIGE Deckung = HOHE Fragilität)

Ökonomische Bedeutung

Der Deckungsgrad beantwortet die Frage, die Bilanzkosmetik nicht übersteht: Wie viel des gebuchten Umsatzes kommt als Geld herein? Umsatz lässt sich über Zahlungsziele, Tauschgeschäfte, Beteiligungskonstruktionen und Garantien gestalten – operativer Cashflow nur sehr begrenzt. Eine über mehrere Quartale sinkende Deckung bei wachsendem Umsatz ist das Kernmuster jeder Vendor-Financing-Blase, von Lucent über Enron bis SunEdison.

Warum Niveau statt Wachstumsdifferenz. Ursprünglich war Z2 als Differenz der Wachstumsraten geplant. Der Test an SunEdison zeigte, dass das unbrauchbar ist: Nähert sich der operative Cashflow der Null, explodiert seine Wachstumsrate – es entstanden Werte bis −727 Prozent. Die Niveauform ist robust, weil der Nenner nicht gegen null geht.

Aktuelle Werte je Firma

FirmaOCF / UmsatzFragilitäts-Perzentil
NVDA50%20%
ORCL47%0%
MSFT55%0%
AMZN21%0%
GOOGL42%0%
META58%0%
AVGO45%55%
AMD24%5%

Lesart: Die Cash-Konversion der großen Namen steht auf oder nahe ihrem historischen Höchststand. Die Zirkularität hat bislang nicht auf die Zahlungsströme der Kernknoten durchgeschlagen. Einzige Ausnahme ist Oracle mit einem Fragilitäts-Perzentil nahe dem eigenen Tief – passend zur schuldenfinanzierten Cloud-Expansion.

4. Z3 · Ausbaugeschwindigkeit 3,38× · Skalenwert 0,79

Z3 = Investitionen (Capex) ÷ Abschreibungen, Summe über vier Quartale
Skalenwert = (Z3 − 1) ÷ 3 · Ersatzinvestition zählt null, 4× ist Vollausschlag
Absolut, nicht als Rang. Auch die Ausbaugeschwindigkeit steigt säkular. Ihr Perzentilrang stand bei 97 % und sagte damit vor allem, dass seit Jahren mehr gebaut wird – dasselbe Problem, das zuvor Z8 hatte. Der Anker ist stattdessen der Wert selbst: 1× ist reine Ersatzinvestition und zählt null, 2× verdoppelt die Anlagenbasis je Abschreibungszyklus, 4× gilt als Vollausschlag. Darüber hinaus lässt sich der Ausbau kaum noch steigern; die Frage ist dann nur noch, wer ihn bezahlt – und das beantwortet Z2.

Ökonomische Bedeutung

Die Kennzahl misst, wie schnell eine Firma Anlagevermögen aufbaut im Verhältnis zu dem, was sie verbraucht. Ein Wert um 1 bedeutet Ersatzinvestition – es wird so viel gebaut wie abgeschrieben. Ein Wert dauerhaft über 2 heißt, die Anlagenbasis verdoppelt sich innerhalb eines Abschreibungszyklus. Das ist die Signatur eines Buildouts.

Die Glättung über vier Quartale ist nötig, weil Investitionen stark saisonal und projektgetrieben schwanken; ein einzelnes Quartal sagt wenig.

Für sich genommen misst Z3 Wachstum, nicht Fragilität. Jede schnell wachsende Firma hat einen hohen Wert, und Wachstum ist kein Risiko. Aussagekräftig wird die Zahl erst zusammen mit Z2: schnell bauen bei gleichzeitig schwacher operativer Cashdeckung heißt, der Ausbau läuft auf Pump. Z3 gehört deshalb nie allein gelesen – siehe die Matrix in Abschnitt 9.

Aktuelle Werte je Firma

FirmaCapex / AbschreibungPerzentil
NVDA2,04×85%
ORCL7,30×95%
MSFT3,38×100%
AMZN2,30×100%
GOOGL5,25×100%
META3,70×95%
AVGO1,43×100%
AMD0,49×20%

Die fehlende zweite Hälfte: Nutzungsdauer

Ursprünglich war Z3 als Kombination aus Investitionsintensität und Änderungen der angenommenen Nutzungsdauer gedacht. Verlängert eine Firma die Abschreibungsdauer ihrer Server von fünf auf sechs Jahre, sinkt der Abschreibungsaufwand und der ausgewiesene Gewinn steigt – ohne dass sich wirtschaftlich etwas verbessert hätte.

Diese Hälfte ist maschinell nicht zu holen. Das XBRL-Konzept PropertyPlantAndEquipmentUsefulLife ist für keine der acht Firmen belegt (geprüft 27.07.2026). Die Angabe steht als Prosa im Anhang. Sie wird deshalb in der Chronik geführt, Kategorie nutzungsdauer. Z3 ist damit bewusst halb Zahl und halb Text – keine Behelfslösung, sondern eine Eigenschaft der Quelle.
Datenlage: Investitionen liegen für alle acht Firmen mit 55 bis 227 Quartalen vor, Abschreibungen mit 25 bis 192. Bei Firmen mit kurzer Abschreibungsreihe reicht die Historie nicht für ein belastbares Perzentil; dort bleibt die Rangspalte leer und die Firma geht nicht in den Median ein.
Die schwerwiegendste Einschränkung des ganzen Clusters: Z2 ist gegenüber Zirkularität blind — und wird von ihr in die falsche Richtung gezogen.

Käufe und Verkäufe von Beteiligungen sind Investitionstätigkeit und fließen nicht in den operativen Cashflow ein; Bewertungsgewinne werden als unbar herausgerechnet. So weit ist Z2 sauber.

Es gibt aber einen indirekten Weg. Investiert ein Anbieter in seinen Kunden – Mittelabfluss unter Investitionstätigkeit – und kauft dieser Kunde davon ein, erscheint das beim Anbieter als operativer Zufluss. Netto hat sich am Kassenbestand nichts geändert, der OCF steigt trotzdem. Je mehr Vendor Financing im Netz stattfindet, desto besser sieht Z2 aus.

Das ist genau der Mechanismus, für dessen Erkennung dieses Cluster gebaut wurde. Z2 misst ihn nicht nur nicht – es zeigt in die entgegengesetzte Richtung.

Beziffern lässt es sich nicht. Der XBRL-Posten für Beteiligungskäufe ist nur bei drei der acht Firmen belegt. Der einzige Anhaltspunkt wäre die Bestandsveränderung aus Z8, und die vermischt Zahlung mit Neubewertung. Wer hier eine Zahl nennt, hat sie geschätzt.
Zweiter Vorbehalt: aktienbasierte Vergütung. Sie ist nicht zahlungswirksam und wird dem OCF wieder hinzugerechnet. Wer in Anteilen statt in Geld bezahlt, weist höheren OCF aus. Die Kachel führt deshalb eine zweite Zeile mit (OCF − Aktienvergütung) ÷ Umsatz.

FirmaOCF/UmsatzVergütungsquotebereinigt
Broadcom44,6 %11,6 %32,9 %
Meta57,7 %9,5 %47,5 %
Oracle47,5 %7,1 %40,3 %
Google41,6 %6,9 %34,7 %
NVIDIA49,6 %2,7 %46,9 %

Die Bereinigung senkt das Niveau erheblich, den Rang dagegen kaum: Die Vergütungsquote ist je Firma über die Zeit ziemlich stabil und verschiebt die ganze Reihe, nicht den aktuellen Punkt darin. Der Median der Fragilitätsränge bleibt bei 0 %. Die Rekordablesung ist damit nicht durch die Vergütung erklärt.

Stellung in der Wirkungskette. Zahlen die privaten Knoten schlechter, zeigt sich das in dieser Reihenfolge: Z1 Forderungslaufzeit steigt → Z7 Auftragsbestand schrumpft → und erst wenn Forderungen tatsächlich ausfallen, Z2. Z2 ist der letzte Indikator der Kette, nicht der erste. Es steht in der Mitte der Karte, weil es an Tiefpunkten am besten zwischen den Fällen trennte – nicht weil es zuerst reagiert.
Sättigung. Ein Perzentilrang von 0 oder 100 bedeutet, dass der Indikator am Anschlag seiner Skala sitzt. Er kann dann nichts mehr über den Zustand sagen, nur noch über die Richtung, sobald er sich löst. Die Firmentabelle weist deshalb aus, seit wie vielen Quartalen ein Wert am Anschlag klebt. Meta steht dort bei sieben Quartalen, Google bei vier – diese Werte sind zu lesen als „unverändert extrem", nicht als „gerade extrem geworden".
Z1 wird absolut bewertet, nicht als Rang — und das ist hier dringender als bei jeder anderen Kennzahl.

Ein Perzentilrang sättigt bei 100 %. Steht eine Firma dort, ist jede weitere Verschlechterung unsichtbar. Bei Z1 wiegt das besonders schwer, weil Z1 am Anfang der Wirkungskette steht: Zahlen die Kunden schlechter, steigt zuerst die Forderungslaufzeit.

Wie stark der Rang verzerrt, zeigt der Stand vom 27.07.2026:

FirmaDSO Tageeigener MedianAbweichungRang
Amazon37,919,7+92 %100 %
Broadcom44,436,1+23 %100 %
Google52,549,0+7 %100 %

(Die Medianspalte zeigt hier noch den Gesamtmedian, gegen den ursprünglich gerechnet wurde. Zur rollenden Referenz siehe unten.)

Drei Firmen, derselbe Rang, Abweichungen von 7 bis 92 %. Der Rang wirft zusammen, was die Skala trennt.

Skalenwert = Abweichung vom eigenen Median ÷ 50 % · Vollausschlag bei +50 %

Der Anker ist doppelt begründet: 50 % entsprechen dem 97. Perzentil aller je gemessenen Abweichungen im Universum – und dem validierten historischen Beispiel. SunEdison ging von 55 auf 82 Tage, also +49 %, elf Monate vor dem Insolvenzantrag.

Rollende Referenz statt Gesamtmedian

Der Vergleichsmaßstab ist der Median der letzten 20 Quartale, nicht der über die volle Historie. Geschäftsmodelle verschieben sich laufend, aber graduell; gegen einen zwölf Jahre alten Median gemessen misst man überwiegend diese Verschiebung und nicht das Signal.

Amazon zeigt den Unterschied: Gegen den Gesamtmedian +92 %, gegen den rollenden nur +37 %. Die Differenz ist der Mixwechsel vom Einzelhandel – Zahlung sofort – zu AWS mit Rechnungsstellung, verteilt über acht Jahre. Die Jahresmittel belegen es: 22, 23, 20, 22, 26, 27, 29, 31, 38 Tage. Zwei Drittel des scheinbaren Signals waren Drift.

Umgekehrt kann der Gesamtmedian auch untertreiben: Broadcoms Laufzeit fiel zwischen 2018 und 2021 von 56 auf 31 Tage und steigt seither wieder. Der alte Median ist dadurch überhöht, der Gesamtvergleich meldet nur +23 % – gegen den rollenden Median sind es +37 %.

Dynamik neben dem Niveau. Ein Sprung ist aussagekräftiger als ein Niveau, das seit Jahren driftet – und er fällt in keinem Niveaumaß auf. Die Kachel führt deshalb eine zweite Zeile mit der stärksten Veränderung im Jahresvergleich. Amazons Laufzeit stieg zuletzt um 31 % in einem einzigen Quartal; im Niveauvergleich war davon nichts zu sehen.

5. Z4 · Off-Balance-Quote 10,5% · 80. Perzentil

Z4 = (Operating-Lease + Finance-Lease-Verbindlichkeiten) / Eigenkapital

Ökonomische Bedeutung

Rechenzentren werden selten gekauft, sondern geleast oder über Zweckgesellschaften finanziert. Diese Verpflichtungen sind rechtlich keine Anleihen, ökonomisch aber Fremdkapital mit festen Zahlungspflichten. Eine steigende Quote bedeutet: Der Hebel wächst dort, wo klassische Verschuldungskennzahlen nicht hinsehen.

Wichtige Einschränkung: Langfristige Kaufverpflichtungen (Purchase Commitments) stehen nur im Fließtext der 10-K und fehlen in XBRL. Die Quote ist damit eine Untergrenze – die tatsächliche Off-Balance-Belastung liegt höher.

Aktuelle Werte je Firma

FirmaLeasing / EigenkapitalPerzentil
NVDA2%30%
ORCL79%85%
MSFT19%85%
AMZN17%5%
GOOGL3%5%
META11%35%
AVGO1%80%
AMD2%90%

6. Z5 · Garantiegeber-Konzentration KONZENTRIERT · 60. Perzentil

Der einzige Zustandsindikator des Clusters: Wie viele Knoten des Finanzierungsnetzes hängen an einer einzigen Adresse? Gepflegt wird er manuell in circ_manual.json, quartalsweise, nach den Kriterien in CHRONIK_KI_ANWEISUNG.md.

ZustandPerzentil-ÄquivalentKriterium
VERTEILT20 %kein Name > 25 % der bekannten Garantievolumina
KONZENTRIERT60 %ein Name trägt 25–50 %
SINGLE POINT OF FAILURE95 %ein Name trägt über 50 %

Historisches Vorbild sind die Monoliner 2007: Ambac und MBIA verwandelten schlechte Kredite in AAA-Papiere – bis ihre eigene Bonität kippte. Der Garantiegeber, nicht der Kreditnehmer, war der Knotenpunkt. Dasselbe Muster liegt heute vor, wenn ein Chiphersteller für die Rechenzentren seiner Kunden bürgt.

7. Z6 · Kreditrisiko des Garantiegebers Oracle gegen Kontrolle Apple

Historisch der beste Einzelindikator: Bei den Monolinern weiteten sich die CDS-Spreads etwa neun Monate vor dem Aktieneinbruch. Zugleich die teuerste Datenquelle.

Tagesaktuelle Einzelnamen-CDS-Spreads sind nicht frei verfügbar. Markit/ICE lizenzieren sie exklusiv (Bloomberg, Refinitiv, S&P Capital IQ).

Praktikabler Ersatz: Anleihen-Spread

Spread (Basispunkte) = Rendite der Unternehmensanleihe − Rendite laufzeitgleicher Staatsanleihe

Ökonomisch nahezu dasselbe Signal, in Deutschland direkt zugänglich. Die Papiere werden täglich automatisch abgerufen (siehe Abschnitt „Tägliche Erfassung"); nur die Historie vor dem 27.07.2026 wurde von Hand aus den Kurscharts abgelesen. Es wird ausschließlich der Kurs benötigt – Rendite, Restlaufzeit und Referenzrendite rechnet das System zum jeweiligen Stichtag selbst. Die Deutsche Börse weist für diese Papiere keine Renditen aus.

EmittentWKNISINKuponFälligkeitHinweis
NVIDIAA28VHFUS67066GAF192,850 %01.04.2030EMPFOHLEN - mittlere Laufzeit, Garantiegeber Nr. 1
NVIDIAA28VHHUS67066GAH743,500 %01.04.2050lang - Spread reagiert stark auf Zinsen, als Zweitwert
OracleA28VP2US68389XBV642,950 %01.04.2030EMPFOHLEN - Zwilling zu A28VHF: gleiche Begebung, gleiche Faelligkeit
OracleA3L336US68389XCS274,200 %27.09.2029nur ~1 Jahr Kurshistorie in Frankfurt - fuer Zeitreihen ungeeignet
OracleA1ZLPCUS68389XAV734,300 %08.07.2034Alternative
OracleA28VP4US68389XBX213,600 %01.04.2050lang
OracleA3L339US68389XCV555,500 %27.09.2064sehr lang
OracleA4EHZA-5,950 %26.09.2055sehr lang
MicrosoftA1ZWVMUS594918BC733,500 %12.02.2035Referenz AAA - dient als Vergleichsmassstab
MicrosoftA1ZAT5-4,875 %15.12.2043lang

Rollen im Panel

RollePapierWKNFälligkeitin der Rechnung
Kontrolle, außerhalb des NetzesApple 1,25 %A281KB20.08.2030ja
Verkäufer und FinanziererNVIDIA 2,85 %A28VHF01.04.2030ja
größter InvestitionsschuldnerOracle 2,95 %A28VP201.04.2030ja
gemessener KnotenMicrosoft 3,5 %A1ZWVM12.02.2035nein, nur Anzeige
Warum Microsoft nicht mehr Maßstab ist. Es war ursprünglich als AAA-Vergleich vorgesehen. Das war ein Denkfehler: Microsoft steht im Z1/Z2/Z4-Universum selbst als gemessener Knoten und liegt bei Z4 im 94. Perzentil – dem höchsten Wert aller acht Firmen. Es ist Hauptinvestor bei OpenAI und einer der größten Rechenzentrumsbauer. Ein beteiligter Name kann nicht Maßstab für die Beteiligung sein. Hinzu kommt die Fälligkeit 2035: 8,5 Jahre gegen 3,7 bei den 2030ern, sein Aufschlag misst damit ebenso Zinsduration wie Kreditrisiko. Ein passendes Microsoft-Papier nahe 2030 existiert nicht.
Warum Apple die Kontrolle ist – nicht wegen der Fälligkeit, die ist nur die technische Voraussetzung. Apple ist der einzige Mega-Cap-Techwert, der im Z1/Z2/Z4-Universum nicht vorkommt, weil er nicht Teil des Vendor-Financing-Netzes ist. Gleiche Branche, gleiche Konjunktur, gleiche Kundschaft – Unterschied genau in der Variable, um die es geht. Amazon, Alphabet und Meta wären untauglich: Sie investieren alle massiv in KI-Infrastruktur und stehen deshalb im Universum. Sie wären behandelte Fälle, keine Kontrollen.

Was das Panel leistet: Weiten sich alle drei gemeinsam aus, ist es der Sektor oder das Zinsumfeld. Weitet sich nur Oracle aus, ist es Zirkularität. Diese Unterscheidung kann ein Zwei-Namen-Maß nicht treffen.

Vorbehalt: Apple ist keine reine Kontrolle – es kauft Rechenkapazität zu und entwickelt eigene Chips. Es ist das Sauberste, was verfügbar ist.
Leitgröße ist das Zwillingspaar: A28VP2 (Oracle 2,95 % 2030) minus A28VHF (NVIDIA 2,85 % 2030). Beide wurden am 01.04.2020 begeben und werden am 01.04.2030 fällig. Bei identischer Fälligkeit kürzen sich Zinskurve, Interpolation zwischen den Stützstellen und der Zeitpunkt der Kursfeststellung heraus – übrig bleibt reines Kreditrisiko. A281KB (Apple 2030) dient als Kontrolle für das Panel.

Warum das Zwillingspaar und nicht der Einzelspread

Am 27.07.2026 wurde die Messgenauigkeit an 14 Quartalen bestimmt. Die mittlere Quartalsänderung beträgt bei den gegen Staatsanleihen gerechneten Reihen 15 bis 30 Basispunkte – das ist überwiegend Messstreuung, nicht Marktbewegung. Ursache ist die dünne Notierung an deutschen Börsen: Ein einzelner Quartalsstichtag kann auf einen veralteten Print fallen.

ReiheMedian Quartalsänderung
NVIDIA gegen Treasury23,6 bp
Oracle gegen Treasury30,0 bp
Microsoft gegen Treasury15,1 bp
Cluster (Mittel minus Microsoft)22,7 bp
Oracle minus NVIDIA (Zwilling)7,4 bp

Über alle 25 Quartale liegt die mittlere Änderung des Zwillingspaars bei 12,8 bp – die ruhigen Jahre ab 2023 kommen auf 7,4 bp, die hektischen Jahre 2021/22 deutlich darüber. Die Alarmschwelle von 25 bp ist am ungünstigeren der beiden Werte ausgerichtet.

Der Faktor drei bis vier ist der Grund für die Umstellung. Erst mit rund 7 bp Rauschen wird eine Ausweitung von 30 bp überhaupt erkennbar.

Leitgröße und Skala

Leitgröße ist Oracle gegen die Kontrolle Apple. Das Zwillingspaar Oracle gegen NVIDIA bleibt als Präzisionsmaß daneben stehen, ist aber nicht die Hauptzahl: NVIDIA ist selbst Teil des Netzes. Würde der Verkäufer aus Zirkularitätsgründen teurer, schrumpfte der Abstand zu Oracle und das Signal verschwände genau dann, wenn es entsteht. Derselbe Fehler wie zuvor bei Microsoft, nur kleiner.

Skala = Aufschlag in bp, umgerechnet über eine gestaffelte Ratingleiter · Vollausschlag bei 8 Stufen
Stufenbereichbp je StufeBegründung
bis AA−12im oberen Bereich unterscheidet der Markt kaum
bis A−20 
bis BBB30 
bis BBB−45letzte Stufe vor der Investment-Grade-Grenze
darunter80Fallen Angel: Indexausschluss und Zwangsverkäufe
Warum nicht linear. Ein fester Divisor von 25 bp je Stufe war die erste Fassung und war falsch geeicht. Ratingstufen sind nicht gleich breit: Der Sprung von BBB auf BBB− wiegt schwerer als der von AA auf AA−, weil an der Investment-Grade-Grenze Indexzugehörigkeit, Eigenkapitalunterlegung von Versicherern und Sicherheitenfähigkeit hängen – nicht bloß graduell höheres Ausfallrisiko.

In den Composite geht nicht das Perzentil ein, sondern dieser absolute Wert. Ein Perzentil wandert mit: Jedes neue Quartal ordnet die gesamte Vergangenheit neu, der Composite bewegt sich also ohne neue Beobachtung, und „100. Perzentil“ bedeutet je nach Länge der Reihe etwas anderes. Die Ratingstufen-Skala ist dagegen extern verankert. Acht Stufen sind der Abstand von der Kontrolle bis zur Investment-Grade-Grenze; ein Wert von 1,0 heißt, der Markt bepreist den Schuldner am Rand des spekulativen Bereichs.

Die Rollenverteilung ist auf Sicht gültig, nicht auf Dauer. Apple ist Kontrolle, weil es heute außerhalb des Vendor-Financing-Netzes steht. Beginnt Apple, Fremdkapital für eigene Rechenzentren aufzunehmen, wird es zum behandelten Fall und die Kennzahl misst nicht mehr, was sie messen soll.

Jährliche Prüfung: Steht Apple noch außerhalb des Z1/Z2/Z4-Universums? Gibt es neue Anleiheemissionen mit KI-Infrastrukturbezug?

Maschinelle Prüfung: Notiert die Kontrolle zwei Quartale in Folge nicht mehr enger als die behandelten Namen, erscheint auf der Karte der Hinweis Kontrolle prüfen. Dann ist die Rollenverteilung zu überdenken und nicht die Zahl zu glauben.

Agenturratings — langsame Referenz, keine Eingangsgröße

Ratings gehen bewusst nicht in die Rechnung ein. Sie hinken: Enron war vier Tage vor der Insolvenz Investment Grade, und die Monoliner – das historische Vorbild für Z6 – behielten ihr AAA, während sich die Spreads bereits um Hunderte Basispunkte ausgeweitet hatten. Genau diese Lücke ist der Grund, Marktpreise zu messen statt Urteile. Sie sind außerdem grob: Oracles Bewegung von 70 auf 181 bp passt in eine einzige Ratingstufe.

Wichtige Einschränkung des Wortes „hinken“. Ratings hinken als Information – die Herabstufung sagt dem Markt nichts, was der Spread nicht längst zeigte. Sie wirken aber als Mechanik: Versicherer rechnen ihre Eigenkapitalunterlegung an Ratings, viele Pensionsmandate sind ratingbasiert formuliert, und die großen Investment-Grade-Indizes schließen alles unterhalb BBB− aus – Indexfonds müssen einen Fallen Angel mechanisch verkaufen. Auch Sicherheitenabschläge im Repo-Geschäft knüpfen an Ratings an. Eine Ratingaktion ändert also nicht das Wissen, sondern den Kreis derer, die das Papier halten dürfen. Das ist Kausalität, kein Nachlaufen.

Umgekehrt gilt: Neuemissionen werden an der bestehenden Sekundärmarktkurve des Emittenten bepreist plus einem Neuemissionsaufschlag. Der Kupon folgt den alten Spreads, nicht dem Rating. Das Rating entscheidet über Käuferkreis und Indexzugehörigkeit.

Für Oracle heißt das konkret: BBB− ist eine Stufe über der Grenze. Der nächste Schritt wäre kein gradueller, sondern eine Klippe.

Als langsame Referenz sind Ratings deshalb wertvoll. Der Abstand, den die Agenturen sehen, lässt sich gegen den halten, den der Markt verlangt.

PapierS&PMoody'sStand
Apple (Kontrolle)AA+Aaa27.07.2026
NVIDIAAA−Aa322.10.2025, positiver Ausblick
OracleBBB−Baa209.07.2026, Moody's negativ
MicrosoftAAAAaa27.07.2026

Die Ratings werden bei der Jahresprüfung der Kontrollrolle mitgepflegt – vier Werte, einmal im Jahr. Ratingaktionen auf Namen des Universums gehören als Chronikeintrag der Kategorie rating erfasst. Entscheidend ist dabei nicht die Aktion, sondern ob sie der Spreadbewegung vorausging oder folgte. Von Analystenurteilen zu Aktien bleibt das getrennt; die schließt die Chronikspezifikation ohnehin aus.

Der erste Belegfall, Juli 2026. S&P stufte Oracle am 09.07.2026 auf BBB− herab – eine Stufe über dem spekulativen Bereich, begründet mit der Konzentration auf OpenAI und einer auf 90 bis 95 Mrd USD angehobenen Investitionsprognose. Der Aufschlag gegenüber Apple war zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Quartalen erhöht: 61 bp im dritten Quartal 2025, dann 104, 104 und 127. Der Markt lief der Agentur rund neun Monate voraus – genau die Vorlaufzeit, die für die Monoliner 2007 dokumentiert ist. Z6 hat damit erstmals an einem realen Vorgang gezeigt, wozu es gebaut wurde.
Zur verbleibenden Differenz. Die Agenturen sehen acht Stufen Abstand zwischen Oracle und Apple, die gestaffelte Leiter liest aus 127 bp rund 6,5 Stufen. Zwei Gründe, die den Rest weitgehend erklären: Erstens ist der Handbuchwert ein Quartalsendstand vom 30.06.2026, während die Herabstufung vom 09.07.2026 datiert – live liegt der Abstand inzwischen näher an dem, was die Leiter für acht Stufen erwartet. Zweitens ist die Leiter selbst eine Näherung. Die frühere Lesart „der Markt hält die Herabstufung für übertrieben“ wird damit hinfällig; sie war ein Artefakt der linearen Skala.

Auslösekriterium

Eine Veränderung von mindestens 25 Basispunkten gegenüber dem Vorquartal – rund das Dreifache des gemessenen Rauschens. Bewusst absolut und nicht in Prozent: Eine relative Schwelle löst bei kleinen Ausgangswerten ständig aus. Die frühere Regel „über +50 % zum Vorquartal“ wurde daher ersetzt.

Für das Niveau gelten grobe Anhaltspunkte aus der Kreditmarktpraxis, nicht das Perzentil: unter 120 bp unauffällig, ab 120 bp erhöht, ab 200 bp angespannt.

Historischer Umfang

Die Reihe reicht bis 2020Q2 zurück – beide Papiere wurden am 01.04.2020 begeben, früher gibt es sie nicht. 25 Quartale, und darin liegt mit dem Zinsschock 2022 erstmals eine echte Belastungsepisode. Das macht das Perzentil erheblich aussagekräftiger als zuvor.

ZeitraumOracle minus NVIDIAEinordnung
2020Q2 – 2020Q41 – 14 bpfast identisch bepreist
202137 – 80 bpbeginnende Spreizung
2022 (Zinsschock)64 – 120 bpSpitze, danach Rückfall
2023 – 2025Q340 – 71 bpruhiges Mittelstück
seit 2025Q4104 – 125 bpdrei Quartale ohne Rückfall

Was die Kontrolle 2022 gezeigt hat

Der Rückblick beantwortet die Frage, für die das Panel gebaut wurde. Im ersten Quartal 2022 stieg Apple selbst auf 135 bp, NVIDIA lag mit 145 bp nur zehn darüber. Wenn der unbeteiligtste Name im Feld mitläuft, ist es Zins- und Sektorgeschehen. 2022 war also kein Zirkularitätsereignis.

Heute steht Apple bei 54 bp und NVIDIA bei 56 – zwei Basispunkte Abstand. Der Verkäufer wird bepreist wie ein Name ohne KI-Investitionsschulden, während Oracle bei 181 bp liegt. Das ist idiosynkratisch.

Eine wichtige Relativierung: Gegen die Kontrolle gerechnet liegt Oracle heute bei 127 bp, die Spitze von 2022 lag bei 144 bp. Der heutige Wert ist also unter dem damaligen Extrem. Dass „Oracle minus NVIDIA“ heute höher steht als 2022, liegt allein daran, dass NVIDIA damals selbst weit war und den Abstand zusammendrückte – genau der Grund, warum die Kontrolle und nicht der Verkäufer die Bezugsgröße ist.

Median über alle 25 Quartale: 56 bp. Der aktuelle Wert liegt beim 2,2-fachen davon. Entscheidender als die Höhe ist die Dauer: Die Spitze 2022 fiel binnen zwei Quartalen auf 64 bp zurück, die aktuelle Ausweitung hält seit drei Quartalen und steigt weiter.

Der Anfangspunkt verdient eine eigene Bemerkung. Am 30.06.2020 notierte NVIDIA bei 112,84 und Oracle bei 113,69 – bei Kupons von 2,85 % und 2,95 % entspricht das einer Renditedifferenz von 0,8 bp. Der Markt bepreiste beide Namen also praktisch gleich, und das war damals sachgerecht: Oracle stand für 39 Mrd. USD Umsatz aus wiederkehrenden Lizenz- und Wartungserlösen, NVIDIA für 11 Mrd. aus einem zyklischen Halbleitergeschäft. Aus dieser Gleichbewertung sind bis 2026Q2 125 bp geworden. Die Umkehrung der relativen Kreditwürdigkeit zweier Papiere mit identischem Fälligkeitstag ist die eigentliche Aussage der Reihe – sie beschreibt eine strukturelle Verschiebung über sechs Jahre, nicht eine Marktlaune.

Das Perzentil bleibt mit Vorsicht zu lesen. Eine echte Kreditkaskade bewegt sich in der Größenordnung von 300 bis 500 bp; wir stehen bei 125. „100. Perzentil“ heißt „höchster Wert seit 2020“, nicht „extrem im historischen Vergleich“. Für die Einordnung zählt der absolute Betrag, nicht der Rang.

Die Quartale des Jahres 2022 sind der unzuverlässigste Teil der Reihe. NVIDIAs Einzelspread springt dort zwischen 145, 55, 141 und 51 bp – ein Muster, das nicht aus dem Markt kommt, sondern aus veralteten Prints an einer dünn gehandelten Notierung in einer Phase schneller Kursbewegung. Die Spitze von 120 bp im zweiten Quartal 2022 ist deshalb nach oben verzerrt; belastbar ist für 2022 eher eine Spanne von 80 bis 110 bp.

Ein Zwei-Namen-Maß ist zudem idiosynkratisch. Eine große Übernahme, eine Herabstufung oder schlicht ein hohes Neuemissionsvolumen weiten den Aufschlag aus, ohne dass sich an der Zirkularität etwas geändert hätte. Und NVIDIA war 2020/21 ein anderer Kredit als heute – die frühe Hälfte vergleicht zwei Firmen, die beide nicht mehr dieselben sind.

Z6 belegt für sich genommen nichts – es zählt die Übereinstimmung mit Z2 und Z4.

Tägliche Erfassung

Seit 27.07.2026 holt circ_z6_daily.py werktags um 19:15 Uhr die Kurse aller hinterlegten Papiere und die US-Zinskurve. Der Quartalswert ist dann der Median aus rund 60 Tagesständen statt einer einzelnen Ablesung; ab 15 Tagesständen verdrängt er den manuell erfassten Wert. Der Median und nicht das Mittel, damit ein einzelner veralteter Print den Wert nicht verschiebt. Das ist keine Glättung – es wird häufiger gemessen, nicht weicher.

Ergänzend kostenlos

QuelleInhaltKadenz
DTCC CDS Kinetics Netto-Nominalvolumen der Top-15-Referenzadressen (Positionierung, kein Preis)wöchentlich
ISDA SwapsInfoCDS-Umsätzetäglich
OFR Financial Stress IndexFunding-Stresstäglich
FINRA TRACEUS-Anleihekurseverzögert

8. Z7 · Auftragsbestand 1,17 Jahre

Z7 = Remaining Performance Obligation ÷ Jahresumsatz (vier Quartale)

Wozu diese Kennzahl existiert

Der private Teil des Netzes – OpenAI, Anthropic, xAI, Reflection – legt keine Bilanz offen. Messbar sind nur die börsennotierten Gegenparteien. Der Auftragsbestand ist die Stelle, an der die Zusagen des privaten Teils in einer testierten Bilanz auftauchen: OpenAIs Verpflichtungen erscheinen als RPO bei Oracle und Broadcom, geprüft und vierteljährlich.

Nicht die Höhe ist das Signal, sondern die Richtung. Ein hoher Auftragsbestand ist Planungssicherheit und keine Fragilität – deshalb geht Z7 nicht in den Composite ein und bekommt keinen Tacho. Ein Tacho behauptet eine Fragilitätsskala von 0 bis 100; wo es die nicht gibt, wäre er eine Falschaussage. Verträge werden aber gekündigt, bevor jemand ausfällt. Ein Rückgang der RPO ist die erste harte, testierte Zahl, die einen wankenden privaten Knoten sichtbar macht.

Gemeldet werden nur Rückgänge bei Beständen ab 20 Mrd USD. Bei kleinen Beständen sind zweistellige Schwankungen normales Rauschen und haben mit dem privaten Teil nichts zu tun.

Aktueller Stand: keine

Aktuelle Werte je Firma

FirmaRPO Mrd USDJahresumsätzePerzentil
NVDA30,015%
ORCL6389,47100%
MSFT6842,0695%
AMZN410,13
GOOGL5201,17100%
AVGO1652,18100%
AMD00,0130%

Oracle sticht mit dem Neunfachen seines Jahresumsatzes heraus – und laut S&P entfällt rund die Hälfte davon auf OpenAI. Broadcoms Bestand ist im letzten Quartal sprunghaft gestiegen; das ist die 350-Mrd-Zusage, die in die Bücher einläuft.

9. Z8 · Private Beteiligungen 8,3 % · Skalenwert 0,28

Z8 = Beteiligungen an nicht notierten Gesellschaften ÷ Eigenkapital

Wozu diese Kennzahl existiert

Das zweite Fenster in den privaten Teil, diesmal von der Aktivseite her. Hier stehen die Anteile an OpenAI, Anthropic und vergleichbaren Knoten. Der XBRL-Posten ist EquitySecuritiesWithoutReadilyDeterminableFairValueAmount – Beteiligungen ohne verlässlich bestimmbaren Zeitwert.

Skalenwert = Beteiligungsquote ÷ 30 % · Vollausschlag bei 30 % des Eigenkapitals
Warum absolut und nicht als Rang. Beteiligungen an privaten KI-Gesellschaften sind seit 2023 in nahezu jedem Quartal gestiegen. Auf einer monoton steigenden Reihe steht der Perzentilrang dauerhaft bei 100 % – er misst dann nicht Fragilität, sondern nur, dass die Zeit vergeht. Der Tacho stünde am Anschlag, ohne je etwas auszusagen, und der Composite wäre um einen konstanten Summanden verzerrt. Der Anker ist stattdessen interpretierbar: Wie viel Eigenkapital hängt an Werten, die nie einen Marktpreis hatten? 30 % gelten als Vollausschlag – ein Anteil, bei dem eine Abwertung des privaten Teils das Eigenkapital sichtbar beschädigen würde.
Diese Posten werden zu Anschaffungskosten geführt und erst bei einem beobachtbaren Preisereignis neu bewertet – einer neuen Finanzierungsrunde, einem Börsengang, einer Abwertung. Eine Korrektur des privaten Teils erscheint hier deshalb sprunghaft, nicht allmählich. Genau das macht die Kennzahl zum Fragilitätsmaß: Sie zeigt, wie viel Eigenkapital an Werten hängt, die noch nie einen Marktpreis hatten.

Aktuelle Werte je Firma

FirmaMrd USDje EigenkapitalPerzentil
NVDA42.321,7 %100%
ORCL0.61,4 %
MSFT12.42,8 %100%
AMZN122.322,2 %100%
GOOGL124.319,4 %95%
META20.28,3 %85%
AMD1.72,5 %95%

Die Rangfolge deckt sich mit der Struktur des Netzes: NVIDIA trägt die Beteiligungen an OpenAI und Reflection, Google und Amazon die an Anthropic. Genau die drei Namen, die im Verflechtungsgraph auf der Kapitalseite stehen.

Vorbehalt: Microsoft weist unter diesem Posten nur 9,3 Mrd USD aus, obwohl es einer der größten Geldgeber von OpenAI ist. Die Beteiligung wird dort offenbar anders klassifiziert. Z8 erfasst also nicht jede Exponierung, sondern nur die unter diesem einen Posten ausgewiesene.

10. Composite 49. Perzentil

Composite = Mittelwert aus Z2, Z4, Z5 (Ränge) sowie Z1, Z3, Z6, Z8 (absolute Skalen) · ohne Z7
BausteinEingangArt
Z1 DSO-Abweichung0,090absolut, Abweichung ÷ 50 %
Z2 OCF-Deckung0,000Rang invertiert, rollendes Fenster, Median über 8 Firmen
Z3 Ausbaugeschwindigkeit0,793absolut, (Wert − 1) ÷ 3
Z4 Außerbilanzielles0,800Rang, Median über 8 Firmen — nächster Kandidat für eine absolute Skala
Z5 Konzentration0,600manuell, Zustandsstufe
Z6 Oracle gegen Apple0,877absolut, Ratingstufen ÷ 8
Z7 Auftragsbestandgeht bewusst nicht ein – die Höhe ist Planungssicherheit, nicht Fragilität; die Warnung liegt im Rückgang
Z8 Private Beteiligungen0,276absolut, Quote ÷ 30 %

Der mittlere Tacho der Karte. Bewusst ein einfaches Mittel und keine Gewichtung: Mit sieben Kennzahlen und wenigen historischen Episoden wäre jede Gewichtung eine Scheingenauigkeit. Fehlende Bausteine werden übersprungen, nicht mit null gewertet.

Eine bekannte Unsauberkeit: Vier Bausteine sind Ränge, einer ist ein Absolutwert. Der Einwand gegen Perzentile – sie wandern mit, weil jedes neue Quartal die Vergangenheit neu ordnet – gilt unverändert für Z1, Z2 und Z4. Behoben ist er nur bei Z6, weil dort mit den Ratingstufen eine externe Verankerung existiert. Für DSO-Abweichungen gibt es keine vergleichbare Skala. Der Composite ist deshalb als Richtungsanzeige zu lesen, nicht als Messwert.
Trennung nach Reihentyp. Vier Kennzahlen gehen mit absoluten Skalen ein: Z1 Forderungslaufzeit, Z3 Ausbau, Z6 Kreditaufschlag, Z8 Beteiligungen. Bei ihnen wäre ein Rang entartet – entweder weil die Reihe säkular trendet (Z3, Z8) oder weil die Sättigung genau die Richtung verbirgt, auf die es ankommt (Z1). Nur Z2, Z4 und Z5 bleiben Ränge.

Z4 ist der nächste Kandidat für dieselbe Prüfung; ein Anker steht dort noch aus.
Z3 zieht den Composite nach oben, Z2 nach unten. Das ist kein Widerspruch, sondern genau die Aussage der Z3×Z2-Matrix: schneller Ausbau bei guter Cashdeckung. Der gemittelte Wert verwischt beides — ein weiterer Grund, die Einzelkacheln zu lesen und nicht nur den mittleren Tacho.
Zum Lesen der Einzelwerte: Der Composite mittelt über acht Firmen und wäscht Einzelnamensignale heraus. Für die Frage, ob ein bestimmter Knoten in Schwierigkeiten ist, ist die Firmentabelle unter der Karte die richtige Ansicht – nicht der Tacho.

11. Zusammenspiel der Kennzahlen

Z1 × Z2 — Forderungen gegen Cash

Z1 (DSO)Z2 (Deckung)Zustand
niedrigniedrige FragilitätUnauffällig.
hochniedrige FragilitätZahlungsziele dehnen sich, Kassen noch voll. Aktueller Stand.
niedrighohe FragilitätCash-Schwäche ohne Forderungsaufbau – meist zyklisch, nicht zwingend Zirkularität.
hochhohe FragilitätDas SunEdison-Muster. Ernstfall.

Z3 × Z2 — Ausbau gegen Cash

Diese Matrix ist der eigentliche Zweck von Z3. Die Investitionsquote allein trennt nicht zwischen einer gesunden Expansion und einem fremdfinanzierten Ausbau.

Z3 (Ausbau)Z2 (Deckung)Zustand
niedrigniedrige FragilitätReifes Geschäft, Ersatzinvestition aus eigener Kraft.
hochniedrige FragilitätSchneller Ausbau, aus dem operativen Cashflow getragen. Wachstum, kein Risiko. Aktueller Stand des Clusters.
niedrighohe FragilitätCash-Schwäche ohne Ausbau — ein Ertragsproblem, keine Zirkularität.
hochhohe FragilitätAusbau auf Pump. Das Feld, für das das Cluster gebaut wurde.
Befund 27.07.2026, korrigiert. Das Cluster steht mit Z3 nahe dem Ausbau-Extrem, während Z2 am unteren Anschlag liegt: Es wird schnell gebaut, und es ist bezahlt. Sechs von acht Firmen stehen auf ihrem besten je gemessenen Deckungsgrad, Oracle eingeschlossen.

Eine frühere Fassung dieses Kapitels behauptete das Gegenteil – Oracle stehe mit einem Z2-Rang von 93 % allein im roten Feld. Das war mit einem fehlerhaften Parser gerechnet, der drei Viertel der Cashflow-Historie verwarf (siehe Abschnitt 12). Mit der vollständigen Reihe liegt Oracles Deckungsgrad bei 0,47 gegen einen eigenen Median von 0,35 – Fragilitätsrang 0 %.

Kritisch wäre die umgekehrte Lage: Z3 hoch und Z2 steigend. Die ist in keinem Quartal der Reihe eingetreten.

12. Datenquellen und Fallstricke

Quelle ist die SEC-XBRL-Schnittstelle data.sec.gov/api/xbrl/companyconcept/ – kostenlos, ohne Schlüssel, mit Pflicht-User-Agent (Kontaktangabe), maximal etwa zehn Anfragen je Sekunde. Standardisierte Quartalszahlen ab etwa 2009.

Methodik der Perzentilränge

Ränge werden im rollenden Fenster über 20 Quartale berechnet, nicht gegen die gesamte Vergangenheit. Grund: Reihen verschieben sich strukturell – die Cashdeckung des Techsektors korreliert mit r = −0,56 gegen die Zeit. Gegen die volle Historie gemessen hieße ein extremer Rang dann teilweise nur „anders als früher". Fünf Jahre sind lang genug für einen Konjunkturzyklus und kurz genug, um strukturelle Verschiebungen mitzumachen. Der Wechsel ändert die Reihe im Mittel um 7 Punkte, im Einzelfall um bis zu 30.

Gelöste Fallstricke

ProblemLösung
Kumulierte KapitalflussrechnungenCashflow-Posten werden mit 3, 6, 9 und 12 Monaten Periodenlänge gemeldet, jeweils mit demselben Startdatum. Wer nur die Dreimonatswerte behält, verliert drei Viertel der Historie – bei NVIDIA blieben von 78 Fakten 19 Quartale übrig. Lösung: nach Startdatum gruppieren, nach Enddatum sortieren, differenzieren. Ergebnis 73 Quartale.
Header Accept-Encoding: gzipweglassen – urllib entpackt nicht automatisch, jedes json.loads scheitert stumm
Firmen wechseln XBRL-Tags im ZeitverlaufALLE Varianten zusammenführen. Bei NVIDIA stieg die Historie dadurch von 12 auf 68 Quartale
Bestands- vs. StromgrößenBestandsgrößen haben kein start-Feld; Dauerfilter nur auf Stromgrößen
10-K enthält nur den JahreswertQ4 = Jahr minus Q1–Q3 rekonstruieren, sonst künstlicher Sprung
Restatementsjeweils die zuletzt eingereichte Fassung verwenden
SEC-XBRL beginnt 2009ältere Fälle (Lucent, Nortel) nur über Volltextarchive

13. Betrieb

Steuerung über das Dropdown in der Fußleiste des Trackers:

AktionWirkungDauer
SEC: nur neues Quartal prüfenrespektiert den Quartals-Cache, bricht ab wenn kein neues Quartal begonnen hatSekunden
SEC: Vollabgleichholt die komplette Historie aller acht Firmen neu~2 Minuten
Schwellen prüfenschreibt Überschreitungen in die ChronikSekunden
Chronik archivierenlagert Einträge älter als acht Quartale ausSekunden
Kein Delta-Abruf möglich: Die SEC-API liefert pro Konzept immer die vollständige Zeitreihe. Der Quartals-Cache verhindert das Wiederholen, nicht das Volumen des einzelnen Laufs.

Sinnvoller Rhythmus: einmal je Quartal nach der Berichtssaison – Mitte Februar, Mai, August, November. Z5 dabei manuell nachtragen. Z6 läuft automatisch per Cron (circ_z6_daily.py, werktags 19:15).

Jährlich

AufgabeZeitpunktWo dokumentiert
Kontrollrolle Apple prüfen1. QuartalChronikeintrag Kategorie kontrolle, Spezifikation in CHRONIK_KI_ANWEISUNG.md Abschnitt 1a
Agenturratings der vier Papiere nachtragenzusammen mit der Kontrollprüfungcirc_manual.json, Felder rating_sp, rating_moodys, rating_stand
Deployment: Die Startseite ist eine statische Datei. Nach jeder Codeänderung muss macro_report.html gelöscht und die Seite einmal aufgerufen werden, sonst bleibt die alte Fassung sichtbar. Vollständige Anleitung in DEPLOY.md.

14. Was beim Börsengang zu tun ist

OpenAI und Anthropic haben beide einen Börsengang angekündigt. Das ist für dieses Cluster kein Datenereignis, sondern ein Konstruktionsereignis: Kennzahlen ändern ihre Bedeutung, nicht nur ihren Wert. Dieser Abschnitt existiert, damit das nicht übersehen wird – die gefährlichste Folge sähe im Tacho wie eine Verbesserung aus.

Der Auslöser ist das S-1, nicht der erste Handelstag. Der Prospekt enthält Vertragsstruktur, Mittelabflüsse und Konzentrationsangaben in einer Vollständigkeit, die danach nie wieder kommt. Wenn er erscheint, gehört das Cluster neu abgeleitet und nicht nachgebessert.

1. Z8 wird falsch, wenn nichts geschieht — höchste Priorität

Der XBRL-Posten heißt wörtlich Beteiligungen ohne verlässlich bestimmbaren Zeitwert. Sobald das Beteiligungsunternehmen notiert ist, hat der Anteil einen bestimmbaren Zeitwert und wandert aus dieser Zeile in die marktgängigen Wertpapiere. Z8 fällt dann sprunghaft bei NVIDIA, Google und Amazon – nicht weil die Exponierung sinkt, sondern weil sie umgegliedert wird.

Zu tun: Den Posten um MarketableSecuritiesNoncurrent beziehungsweise die jeweilige Beteiligungszeile ergänzen, oder Z8 auf die Summe aus beiden umstellen. Bis das geschehen ist, ist ein Rückgang von Z8 nicht als Entwarnung zu lesen.

Ausnahme: Beteiligungen nach der Equity-Methode (bei maßgeblichem Einfluss) bleiben auch nach der Notierung dort stehen. Die Umgliederung betrifft vor allem reine Minderheitsanteile ohne Stimmrechte – also genau NVIDIAs Konstruktion.

2. Ein neuer Übertragungsweg entsteht

Heute ist ein Wertverlust bei einem privaten Knoten unsichtbar, bis jemand abschreibt – sprunghaft, verzögert, nach Ermessen. Nach der Notierung fließt er jedes Quartal über die Bewertung in die Ergebnisse von NVIDIA, Google und Amazon. Der Börsengang erzeugt also eine Kopplung, die es vorher nicht gab: Die Quartalsgewinne der Hyperscaler hängen am Aktienkurs der KI-Labore. Der Sektor wird dadurch stärker korreliert. Das ist die wichtigste strukturelle Folge und gehört als kuratierter Chronikeintrag festgehalten.

3. Die Käuferseite wird zum ersten Mal messbar

Bisher vermisst dieses Cluster die Gläubiger eines Schuldners, den es nicht sehen kann. Nach dem Börsengang laufen OpenAI und Anthropic als normale Firmen durch Z1 bis Z4 – eigene Debitorenlaufzeit, eigene operative Cashdeckung, eigene Ausbaugeschwindigkeit. Das schließt die größte Lücke des Entwurfs.

Zu tun: Beide CIK-Nummern in circ_fetch.py ins Universum aufnehmen. Achtung: Die Perzentile aller Cluster-Werte verschieben sich dadurch, weil der Median über mehr Firmen läuft. Ein Bruch in der Zeitreihe ist unvermeidlich und gehört dokumentiert.

4. Z7 verliert seinen Zweck zur Hälfte

Der Auftragsbestand bei Oracle war ein Behelf – ein Fenster in einen Knoten, den wir nicht sehen konnten. Legt OpenAI eigene Zahlen vor, entfällt der Umweg für diese Frage. Als Maß für Kundenkonzentration bei Oracle bleibt Z7 gültig; das ist eine andere Frage und ein Grund, die Kennzahl zu behalten statt sie zu streichen.

5. Z6 kann den echten Schuldner messen

Begeben die Labore nach dem Börsengang eigene Anleihen, tritt der tatsächliche Schuldner an die Stelle von Oracle als Stellvertreter. Dann ist die Rollenverteilung des Panels neu zu bestimmen – und die Jahresprüfung der Kontrollrolle (Apple) fällt mit dieser Frage zusammen.

6. Z5 hört auf, Handarbeit zu sein

Kundenkonzentration ist im Prospekt und danach im 10-K offenzulegen. Aus der manuell gepflegten Zustandsstufe wird eine Zahl.

Eine Gegenbewegung, die man leicht übersieht: Ein Börsengang nimmt auch Information weg. Private Runden liefern einen scharfen Preispunkt zu einem bekannten Zeitpunkt mit einem benannten Leitinvestor. Der öffentliche Markt liefert stattdessen permanentes Rauschen, und die strukturellen Angaben – wer für wen bürgt – stehen weiterhin im Anhang und nicht in der Kursnotierung. Die Chronik bleibt nötig.

Was unverändert bleibt

Die Chronik mit ihren Kategorien, die Konstruktion von Z6, die Trennung zwischen Rängen und absoluten Skalen – und die Regel, dass keine dieser Zahlen eine Quattro-Entscheidung auslöst. Das Gerüst trägt.

15. Änderungsprotokoll 27.07.2026

An einem Tag wurden sieben Konstruktionsfehler gefunden und behoben. Sie stehen hier, weil ein Handbuch ohne Fehlerspur den Eindruck erweckt, es habe nie einen gegeben – und weil die Korrekturen den Composite von 0,68 auf 0,46 bewegt haben, ohne dass sich ein einziger Marktkurs geändert hätte.

WasFehlerBehebung
Parser KapitalflussNur Dreimonatswerte behalten; kumulierte 6/9/12-Monats-Meldungen verworfen. NVIDIA: 19 statt 73 Quartale.Nach Startdatum gruppieren und differenzieren.
Z2 OracleMit der verkürzten Reihe stand Oracle bei 93 % Fragilität, angeblich allein im roten Feld.Mit voller Reihe 0 % – bester Wert seiner Geschichte.
Z6 MaßstabMicrosoft als AAA-Vergleich, obwohl es selbst im Universum steht (Z4 im 94. Perzentil).Apple als Kontrolle, außerhalb des Netzes.
Z6 SkalaFester Divisor 25 bp je Ratingstufe erzeugte eine Scheindivergenz von 2,9 Stufen.Gestaffelte Leiter, 12 bis 80 bp je Stufe.
Z8, Z3 RängePerzentil auf säkular steigenden Reihen: dauerhaft 100 %, ohne Aussage.Absolute Skalen.
Z1 RangSättigung bei 100 % verbarg jede weitere Verschlechterung – ausgerechnet am Anfang der Wirkungskette. Amazon (+92 %) und Google (+7 %) meldeten dasselbe.Absolute Skala, Vollausschlag +50 %.
Z1 ReferenzGesamtmedian mischte Modelldrift mit Signal. Amazon: +92 % gegen gesamt, +37 % gegen rollend.Rollender 20-Quartals-Median, dazu Jahresveränderung.
Folge für die Deutung: Vor den Korrekturen zeigte das Cluster auf Oracle. Danach zeigt die Bewegung auf Broadcom (+37 % Abweichung, +32 % im Jahr, einzige Firma ohne Rekord-Cashdeckung) und Amazon, während Oracle bei +0,6 % stillsteht – auf hohem Niveau, aber ohne Bewegung. Der Namenswechsel kam nicht aus dem Markt, sondern aus dem Instrument.

16. Grenzen

GrenzeKonsequenz
Kein TimingVorlauf schwankt zwischen etwa sechs und vierundzwanzig Monaten; bei SunEdison waren es elf
Keine statistische Absicherungwenige Episoden, kein signifikanter Backtest möglich
Blind für reine FußnotenGarantien für Dritte erscheinen nicht in XBRL – dafür Z5 und die Chronik
VerzögerungQuartalszahlen erscheinen vier bis acht Wochen nach dem Stichtag
Das Cluster sagt nicht, wann etwas passiert, sondern wie weit es fallen kann und welcher Art ein Absturz wäre – Bewertungskorrektur oder Kreditkaskade. Diese Information beeinflusst nicht die Kaufentscheidung, sondern nur die Ruhe, mit der man die Regel ausführt.
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